SAP, Europas wertvollstes Unternehmen, denkt nicht nur in Milliardenzeilen Code, sondern auch an das Brötchen zwischendurch – und zwar buchstäblich. Auf dem Firmengelände in Walldorf hat der Softwarekonzern nun gemeinsam mit dem Verpflegungsdienstleister Aramark einen smarten Supermarkt eröffnet – S.Mart. Was klingt wie ein Pilotprojekt aus dem Silicon Valley, ist in Wirklichkeit eine Blaupause für den Einzelhandel der Zukunft, entwickelt im Herzen Baden-Württembergs.
„Wenn ich hier meine Nüsse kaufe, sieht Aramark das sofort – und der Lieferant auch. Der bekommt automatisch ein Signal und weiß: Nachschub ist nötig.“ Mit diesen Worten brachte SAP-CEO Christian Klein bei der Eröffnung auf den Punkt, worum es eigentlich geht: Echtzeit-Integration aller Prozesse – vom Einkauf über das Warenlager bis zur Auslieferung: „End-to-End – das kann nur SAP.“
Der Einkauf beginnt mit einer App. Nur Mitarbeitende der SAP haben Zugang zum Markt. Innen gleicht S.Mart einem gut sortierten Tankstellenmarkt: Frisches Gemüse, Tiefkühlkost, Hygieneartikel, Snacks, Getränke – alles, was man für den schnellen Einkauf nach Feierabend braucht. Bezahlt wird kontaktlos: entweder durch das Scannen der Produktcodes oder – besonders elegant – durch RFID-Technologie, die jedes Produkt eindeutig identifiziert.
„Wir haben jedes einzelne Produkt mit einem RFID-Chip ausgestattet,“ heißt es von SAP „Das erlaubt uns nicht nur zu sehen, was verkauft wurde, sondern auch, wann genau ein Produkt abläuft. Unsere Preise können wir in Echtzeit anpassen.“ Möglich wird das durch digitale Preisschilder, die zentral gesteuert werden – etwa um Sonderaktionen blitzschnell auszuspielen oder ablaufende Ware rabattiert anzubieten.
Neu ist nicht nur die Technik im Markt selbst, sondern vor allem das Konzept dahinter: SAP bietet die komplette Infrastruktur als fertiges Paket an – inklusive App, Warenwirtschaft, Preissteuerung und Analysefunktionen. Damit sollen künftig auch kleinere Supermarktbetreiber oder Fachhändler Zugang zu Technologien bekommen, die bislang nur global agierenden Konzernen vorbehalten waren.
„Es gibt viele Nischenanbieter für einzelne Komponenten – Scanner, Sensoren, Kameras. Aber wir bringen alles zusammen: die Logik, die Daten, die Prozesse. Und wir machen es skalierbar,“ sagt Christian Klein. Ziel ist es, Branchenlösungen zu entwickeln, die nicht erst in kostspieligen IT-Projekten entstehen müssen, sondern aus der Box funktionieren – ob im Lebensmittelhandel, in der Mode oder im Elektronikgeschäft.
Die Eröffnung von S.Mart ist kein PR-Stunt, sondern Teil einer größeren Strategie. SAP will sich noch stärker als Lösungsanbieter für konkrete Branchenanforderungen positionieren – und beweist mit dem eigenen Markt, dass die Technik nicht nur im Labor, sondern auch im Alltag funktioniert.
Dass dieses Projekt am Stammsitz in Walldorf startet, ist kein Zufall. SAP hat sich zuletzt eindrucksvoll zurückgemeldet: Mit rund 314 Milliarden Euro Marktkapitalisierung ist der Softwarekonzern aktuell das wertvollste Unternehmen Europas – noch vor dem Pharmariesen Novo Nordisk. Der Konzernumbau hin zur Cloud zahlt sich aus – und mit Projekten wie S.Mart zeigt SAP, dass auch die nächste Innovationswelle schon rollt.