Di., 25.03.2025 , 16:21 Uhr

Neue Impulse für ein Haus mit Geschichte - Im Interview mit Lena Jöhnk, Programmdirektorin des DAI Heidelberg

Lena Jöhnk ist seit September 2024 Programmdirektorin am DAI Heidelberg – und bringt frischen Wind in eine Institution mit langer Tradition

Das Deutsch-Amerikanische Institut (DAI) Heidelberg gehört zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt wie das Schloss oder die Alte Brücke. Seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg versteht sich das Haus in der Sofienstraße als Ort des transatlantischen Dialogs und der Vermittlung demokratischer Werte. Doch das DAI ist längst mehr als ein Amerika-Haus: Es ist ein kulturelles Zentrum mit internationalem Anspruch und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm.

Vor genau einem Jahr wurde Lena Jöhnk als neue Programmdirektorin vorgestellt. Im September 2024 trat sie ihr Amt offiziell an. Damit wurde auch ein personeller Wechsel abgeschlossen: Jakob Köllhofer, der das Haus über viele Jahre prägte, verabschiedete sich zum Jahresende in den Ruhestand.

Internationale Erfahrung, kulturelle Neugier

Lena Jöhnk bringt umfassende Erfahrungen aus dem internationalen Kulturaustausch mit. Die studierte Kulturwissenschaftlerin war für das Goethe-Institut an verschiedenen Orten weltweit tätig – unter anderem fünf Jahre lang als Programmleiterin in Washington, D.C. Gerade diese Zeit, die mit dem Amtsantritt von Donald Trump zusammenfiel, beschreibt sie als prägend. Nach ihrer Rückkehr aus den USA zog sie mit ihrer Familie nach Heidelberg.

Ein Ort der Teilhabe und Begegnung

Das DAI sieht Jöhnk als „Fenster zur Welt“, das internationale Perspektiven mit lokaler Verankerung verbindet. Besonders wichtig ist ihr, das Haus als Ort der Teilhabe weiterzuentwickeln – gerade für Menschen, die neu in Heidelberg ankommen. Die Bibliothek will sie zu einem offenen Treffpunkt machen, der nicht nur Bücher bietet, sondern Austausch ermöglicht: als „öffentliches Wohnzimmer“ für eine vielfältige Stadtgesellschaft.

Ein aktuelles Beispiel ist die Umgestaltung eines alten Zeitschriftenregals zur Ausstellungsfläche. So entsteht ein inhaltlicher Brückenschlag zwischen Tagesbetrieb und Abendprogramm – ein Format, das Jöhnk weiter ausbauen möchte.

Fachübergreifend denken, demokratische Kompetenzen stärken

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Verknüpfung von Geistes- und Naturwissenschaften. Themen wie Demokratieförderung, Teilhabe und Dialogkompetenz sollen programmatisch noch stärker hervortreten.

Dazu passt das neue Festival „Ways of Listening“, das am kommenden Donnerstag startet. Es geht um die Frage, was eine funktionierende Demokratie braucht – und wie Zuhören als Grundlage für Dialog und Verständigung gestärkt werden kann.

Eingeladen sind unter anderem Paul Holdengräber, bekannt für seine tiefgründigen Gespräche mit Intellektuellen und Künstlern, sowie die australische Komponistin Cathy Milliken, die am restaurierten Flügel des DAI auftreten wird. Am Abschlusstag diskutieren Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über politisches Zuhören und gesellschaftliche Kommunikation.

Blick auf die USA – und darüber hinaus

Wie blickt das DAI auf die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten? „Mit großer Aufmerksamkeit – und auch mit Sorge“, sagt Lena Jöhnk. Schon während des US-Wahlkampfs organisierte das Institut Diskussionen, Panels und Hintergrundgespräche. „Unsere Aufgabe ist es, Entwicklungen einzuordnen, Orientierung zu geben und Raum für Auseinandersetzung zu schaffen.“

Gleichzeitig bleibt das DAI thematisch breit aufgestellt. Das transatlantische Verhältnis ist ein wichtiger Bestandteil – aber längst nicht der einzige. Diese thematische Breite sorgt für inhaltliche und strukturelle Resilienz, wie Jöhnk betont.

Ein Kulturhaus in Bewegung

Mit neuen Formaten, klaren Schwerpunkten und einem offenen Verständnis von Bildung und Kultur möchte Lena Jöhnk das DAI weiterentwickeln. Ihr Ziel: Ein Haus, das gesellschaftliche Fragen aufgreift, internationale Perspektiven eröffnet und Menschen miteinander ins Gespräch bringt – unabhängig von Alter, Herkunft oder Vorwissen.


Das vollständige Programm des Festivals „Ways of Listening“ ist online unter www.dai-heidelberg.de abrufbar.

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