„Ich erzähle Ihnen eine kleine Anekdote. Nach der Bundestagswahl im Februar haben wir eine redaktionelle Anfrage an die Metropolregion Rhein-Neckar gestellt. Unsere Frage: Wie will die Region künftig sicherstellen, dass ihre Interessen in Berlin Gehör finden?
Der Hintergrund: Mehrere direkt gewählte Kandidaten der CDU aus den Kernstädten der Metropolregion – Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen – und aus dem Wahlkreis Rhein-Neckar sind nicht mehr im Bundestag vertreten. Übrig geblieben sind CDU-Abgeordnete aus den Randzonen der Region: Michael Meister aus dem Kreis Bergstraße und Olav Gutting, der seit über 20 Jahren den Wahlkreis Bruchsal–Schwetzingen im Bundestag vertritt.
Zwar sind Abgeordnete anderer Parteien über Landeslisten eingezogen, doch ausgerechnet in der stärksten Regierungsfraktion fehlen nun Stimmen aus dem Zentrum unserer Metropolregion.
Wir wollten wissen: Wer setzt sich künftig in Berlin für diese Region ein? Wer stellt sicher, dass etwa beim 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket nicht an uns vorbeigeplant wird?
Unsere Frage blieb zunächst unbeantwortet. Auf unsere Nachfrage kam dann der kurze Hinweis: „Wir melden uns zeitnah“ – und dann: nichts mehr.
Keine Reaktion gab es auch auf Fragen zur Entwicklung der Mitgliederzahlen im Verein „Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar“ oder zur finanziellen Beteiligung der Wirtschaft an Projekten der Metropolregion im Zeitverlauf seit 2005.
Für einen Journalisten ist das ein Warnsignal. Denn wenn auf eine einfache, sachlich formulierte Anfrage keine Antwort kommt, entsteht der Eindruck: Es mangelt an Transparenz. Und damit an dem, was eine solche Institution dringend braucht – Vertrauen.
Zum 20. Geburtstag der Metropolregion Rhein-Neckar fällt die Bilanz deshalb ernüchternd aus.
Gegründet wurde sie 2005 mit großen Ambitionen: als strategischer Verbund, als starke Stimme für eine Region über Ländergrenzen hinweg. Sie wollte Meinungsbildnerin sein – nach innen und außen. Eine der leistungsstärksten Regionen Europas, hieß es damals.
Heute ist davon wenig zu sehen. Die Metropolregion tritt kaum als gestaltende Kraft auf. Wo klare regionale Positionen gefragt wären, sind es nicht selten andere, die das Wort ergreifen – etwa die Industrie- und Handelskammern. Dabei sind diese eigentlich keine politischen Akteure.
Das entstandene Vakuum ist deutlich spürbar. Schon in der Pandemie wurde es sichtbar: drei Bundesländer – Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg – und drei Verordnungen, die sich oft widersprachen. Und ebenso deutlich zeigte sich: wie wenig die Metropolregion zur Koordination beitragen konnte. Sie hatte in den fünfzehn Jahren zuvor schlicht nicht das politische Gewicht aufgebaut, das diesem Ballungsraum Einheitlichkeit und Verlässlichkeit verliehen hätte.“
Auch die wirtschaftliche Unterstützung scheint zu bröckeln. Die BASF, langjähriger Motor des regionalen Projekts, spart am Standort des Stammwerks eine Milliarde Euro pro Jahr ein. Dass dabei auch das Engagement für die Metropolregion auf dem Prüfstand steht, liegt nahe.
Umso wichtiger schien es, dass mit Uwe Liebelt – dem Ludwigshafener BASF-Werksleiter – ein profilierter, erfahrener Manager im April 2024 den Vorsitz des Vereins übernommen hat. Doch nun hat Liebelt angekündigt, zum 1. Juli aus der BASF auszuscheiden und auch seine Ehrenämter niederzulegen. Das bedeutet: Die Strategie, die er zum 20. Geburtstag der Metropolregion noch vertritt, wird er nicht mehr umsetzen können. Ein weiterer Rückschlag für die Region, die dringend eine stabile und engagierte Führung benötigt.
Zwanzig Jahre nach der Gründung ist die Metropolregion Rhein-Neckar an einem Punkt, an dem sie sich neu sortieren muss. Wer weiterhin davon spricht, zu den führenden Regionen Europas gehören zu wollen, muss genau das auch sichtbar leben – politisch, wirtschaftlich, kommunikativ, und auch auf Bundesebene.
Die Idee einer starken, länderübergreifenden Metropolregion bleibt richtig – sie muss nur wieder mit mehr Leben gefüllt werden.